Haarausfall ist eine weitverbreitete ErkrankungVorab einige interessante Fakten aus der Haarsprechstunde.

  • Jeder Mensch hat etwa 100.000 Haare auf seinem Kopf.
  • Pro Monat wachsen sie ungefähr einen Zentimeter.
  • Die Lebensdauer eines Haares liegt zwischen zwei und sechs Jahren. Dann fällt es aus.
  • Täglich verliert der Mensch im Durchschnitt bis zu 100 Haare.

Liegt der Haarausfall darüber, sollten Sie einen Hautarzt aufsuchen. Haarausfall ist eine weit verbreitete Erkrankung, die viele verschiedene Ursachen haben kann und häufig schon im jungen Erwachsenenalter auftritt.

Welche Formen von Haarausfall gibt es?

Ihre Hautärztin unterscheidet beim Haarausfall verschiedene Formen. Die drei wichtigsten sind:

  • Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie)

Die androgenetische ist die häufigste Form des Haarausfalls. Ungefähr 95 Prozent der Fälle sind davon betroffen. Dabei reagieren die Haarwurzeln überempfindlich auf Dihydrotestosteron, ein Abbauprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron.

  • Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

kreisrunder HaarausfallKreisrunder Haarausfall kann Frauen und Männer jeden Alters und gar nicht selten auch Kinder betreffen. Dabei stellen Dermatologen Kahlstellen fest, die kreisrund oder oval sind. Meistens ist der Hinterkopf betroffen, aber auch die seitlichen Kopfregionen, Augenbrauen, Bart oder Schamhaar können kahle Stellen aufweisen. Durch eine Fehlregulation des Immunsystems werden die Haarbälge von den körpereigenen Entzündungsstellen angegriffen und zerstört. In seltenen extremen Fällen gehen sogar alle Haare am ganzen Körper aus. Wichtig ist, dass Ihre Hautärztin diese Form des Haarausfalls erkennt und frühzeitig mit der Behandlung (Therapie) beginnt.

  • Diffuser Haarausfall (Diffuse Alopezie)

Beim diffusen Haarausfall verteilt sich der Verlust der Haare über den ganzen Kopf. Als Ursache dafür kommen Faktoren wie hohes Fieber, eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse, Eisenmangel, bestimmte Medikamente, hormonelle Schwankungen, Crash-Diäten oder Infektionskrankheiten in Frage.

Neben oben aufgeführten Gründen gibt es verschiedene Kopfhauterkrankungen, die mit Haarausfall einhergehen können. Auch externe Einflüsse durch aggressive Stylingmethoden der Haare können zu Haarausfall führen.

Was erwartet Sie in der Haarsprechstunde?

Zunächst erfolgt eine ausführliche Besprechung über den beobachteten Haarausfall. Ihre Hautärztin wird Ihnen Fragen stellen wie:

  • seit wann besteht der Haarausfall?
  • nehmen Sie Medikamente ein?
  • Leiden Sie unter Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Liegen bei Ihnen bestimmte Ernährungsgewohnheit vor
  • Sind in den Monaten vor Beginn des Haarausfalls besondere Ereignisse aufgetreten?
  • bestehen Probleme mit der Kopfhaut?
  • ist Haarausfall in Ihrer Familie bekannt?

Danach werden Ihre Haar und Ihre Kopfhaut untersucht. Ihre Hautärztin wird auch auf andere mögliche Symptome achten, die einem Haarausfall möglicherweise zu Grunde liegen können. Das können Anzeichen für Eisenmangel, Schilddrüsenerkrankungen, hormonelles Ungleichgewicht und andere sein.

Folgende Untersuchungen können bei Bedarf erfolgen:

  • Untersuchung der Kopfhaut und Haare / Haarwurzeln mit dem Dermatoskop sowie mit der Videodermatoskopie
  • Trichoscan
  • Laboruntersuchungen (Blutuntersuchungen)
  • Kopfhautprobe (Kopfhautbiopsie)
  • Mikrobiologische oder mykologische Untersuchung von Kopfhautschuppen

Die Haaranalayse nimmt Ihr Hautarzt mit einer computergestützten Kamera (Trichoscan) direkt auf der Kopfhaut vor. Das ist für den Patienten völlig schmerzfrei. 

Welche Therapien gibt es bei Haarausfall?

Je nach Form und Ursache wird Ihre Hautärztin unterschiedliche Behandlungen, innerlich oder äußerlich vorschlagen. Im besten Fall ist die Ursache für den Haarausfall gefunden worden. Dann kann eine entsprechende Therapie der Ursache eingeleitet werden (Hormonbehandlungen, Therapie von Schilddrüsenerkrankungen, Behandlung einer Blutarmut etc.)

Beim erblich bedingten Haarausfall wird mit einer Minoxidil-Lösung (Frau und Mann) oder Finasterid-Tabletten (nur bei Männern) behandelt. Neben den verschiedensten Therapien sind auch unterstützende Maßnahmen möglich, wie die Einnahme von Biotin und Zink. Haartransplantationen können sinnvoll sein. Dazu wird Ihre Hautärztin Sie in ein spezialisiertes Zentrum überweisen.

Wie sind die Erfolgsaussichten einer Therapie?

Die Haarwurzeln brauchen nach Beginn der Therapie einige Zeit um sich wieder zu erholen. Erste Therapieerfolge können nach ca. 2-3 Monaten festgestellt werden. Sie werden deshalb etwas Geduld aufbringen und das erarbeitete Therapiekonzept konsequent durchführen müssen, bevor feststeht, ob die Therapie wirksam ist. Insbesondere beim erblichen Haarausfall gilt es bereits als Erfolg, wenn er gestoppt werden kann.

Was können Sie bei Haarausfall selbst tun?

Rasch ein Wundermittel der Werbung einreiben und schon ist das Problem behoben? Ohne genaue Kenntnis der Ursache funktioniert das in den wenigsten Fällen. Zudem besteht die Gefahr, dass man ungeeignete Mittel verwendet und sich der Haarausfall verschlimmert. Nur zusammen mit Ihrer Hautärztin lassen sich die Ursachen wirklich herausfinden und im besten Fall rasch zu beseitigen. Stellt der Hautarzt beispielsweise fest, dass ein bestimmtes Medikament für den Haarausfall verantwortlich ist, reicht das Absetzen häufig schon aus, um das Problem zu lösen. Auch eine gesunde, an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen reiche Ernährung, Bewegung und Sport, der Verzicht auf Alkohol und Tabak, wenig Stress und Normalgewicht können sich positiv auswirken. Wichtig ist zudem, die Haare richtig zu pflegen und zu schützen. Haarpflegeprodukte sollten auf Haar und Kopfhaut abgestimmt sein. Gerne berät Ihre Hautärztin Sie zu diesem Thema. Nach dem Waschen empfiehlt es sich, das Haar nicht trocken zu rubbeln, sondern zu tupfen. Beim Trocknen sollten Sie den Fön nicht zu dicht an das Haar halten und ihn auf eine lauwarme Temperatur einstellen. Im Sommer kann das Haar an der Luft getrocknet werden. Vor UV-Strahlen sollten Sie es jedoch schützen. 

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